Ausflug nach Palladia




I
nnerhalb von zwei Stunden hat Li mit seinem Zauber den Erdrutsch abgetragen und der Weg ist wieder frei. Gemächlich setzen die beiden Wagen ihre Fahrt fort. Kitana und Trisya sitzen wieder mit Selma auf der Rückbank in Storms Transporter. "Ich habe Hunger!", klagt Selma. "Stimmt. Wir könnten mal wieder etwas essen.", denkt auch Trisya und holt den Picknick-Korb aus ihrem Beutelchen. "Schade, daß du die einzige bist, die diesen Wagen fahren kann", sagt Kitana zu Storm, "Sonst könntest du dich jetzt zu uns setzen und gemütlich etwas essen." Sie reicht Storm eines der Brötchen nach vorne, "Aber so mußt du leider allein essen."

N
ach einer guten Stunde Fahrt lichtet sich der Wald und ein kleines, unbefestigtes Dorf kommt zum Vorschein. "Ich würde ja gerne etwas zum Thema Kuh sagen. Aber ich glaube, Storm möchte nicht daran erinnert werden.", denkt Kitana und grinst. Li und Storm halten am Rand des Dorfes und die Freunde steigen aus. Die Bewohner machen einen freudlichen Eindruck und scheinen sich durch die Ankunft nicht stören zu lassen. Während Li nach dem Weg fragt, erkundigt sich Trisya nach Hinweisen zu Selmas Eltern, doch ohne Erfolg. Kitana deckt sich derweilen mit frischen Lebensmitteln ein, und Goro vertritt sich ein wenig die Füße nach der Fahrt im engen Laderaum. Als man sich nach einer Weile wieder bei den Wagen trifft, erzählt Li, "Hier in der Gegend soll es tatsächlich ein Mönchskloster geben! Etwa zwei Stunden Richtung Norden, hinter einem kleinen Tal." Erfreut über die gute Nachricht macht sich die Gruppe sofort wieder auf den Weg.

L
angsam beginnt es zu schneien. "Wie schön! Wie bei uns zu Hause.", denkt Kitana und kuschelt sich an Trisyas weichen Körper. Der Weg fällt zunehmend ab, bis Kitana durch die Bäume hindurch das Tal erkennen kann. "Prima! dann kann es ja nicht mehr weit sein.", ruft Trisya erleichtert. Der Transporter holpert den unebenen Weg hinunter, bis sie die Sohle des Tals erreicht haben. Das Tal selber ist nahezu baumfrei und von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Ein kristallklarer Bach fließt durch die weiße Ebene und mündet in einen halb zugefrorenen See. "Dort oben am Berghang steht ein Gebäude!", erkennt Storm, "Vielleicht ist das ja schon unser Kloster!" Die Blicke der drei anderen folgen
Storms Finger und versuchen das Kloster zu erspähen. "Hoffentlich", seufzt Trisya. Auf direktem Weg durchqueren die Fahrzeuge das Tal und mühen sich auf der anderen Seite den Berg wieder hoch. Nach einer Weile wird das Gelände jedoch zunehmend unbefahrbarer und Li hält seinen Wagen an. Auch Storm hält und steigt aus. "Den Rest müssen wir zu Fuß gehen", ruft Li herüber. Kitana schließt ihre Jacke und hüpft ebenfalls aus dem Wagen. "Ich denke, es reicht, wenn ein paar von uns da hoch gehen", schlägt Kitana vor und deutet zum immer noch weit entfernten Kloster hinauf, "Schließlich wissen wir nicht, ob es überhaupt der richtige Ort ist, und was für eine Meinung seine Bewohner von Rahumen haben."

S
o machen sich Kitana, Meister Li und der Zauberer aus Tolkeen zu dritt auf den Weg durch den tiefen Schnee hinauf zum Kloster. "Luftlinie sind es nur ein paar hundert Meter", bemerkt Li, "Aber so, wie der Berg aussieht werden wir eine ganze Weile brauchen." Mühsam wandern die drei den Hang hinauf, bis sie nach über einer halben Stunde endlich vor dem Tor des Klosters stehen. Das Kloster ist aus tristem, grauem Fels erbaut und erstreckt sich mehrere Stockwerke hoch. Nur wenige Fenster zieren die Außenwand, die ersten auf drei Metern Höhe. Mit dem eisernen Türklopfer pocht Li gegen das gewaltige, dicke Eichentor. Sie warten einen Moment, doch drinnen scheint sich nichts zu tun. Li klopft erneut und fester. Doch auch das scheint keine Reaktion hervorzurufen. "Hmm, wohl keiner zu Hause", meint Kitana und klopft sich den Schnee von den Stiefeln. "Hallo! Ist da jemand!", ruft Li mit voller Kraft und fängt an, kontinuierlich gegen das Tor zu pochen. Auf einmal öffnet sich eine kleine Luke im Tor und ein Gesicht schaut hindurch, "Ja? Was wollt ihr?" Vollkommen erstaunt, daß doch noch jemand gekommen ist, hält Li inne. "Gibt es hier einen Bruder Rolek?", fragt er dann. "Ja", kommt nach ein paar Sekunden die Antwort. "Können wir ihn sprechen?", fragt Li weiter. "Welchen von beiden?", fragt der Mönch und blickt wieder zu Li. Erstaunt schauen sich die drei an. "Wissen wir auch nicht", meint Li dann. "Können wir reinkommen?", fügt er hinzu. Der Mönch scheint zu überlegen. "Ihr beiden schon. Die Frau jedoch nicht.", antwortet er dann und deutet mit den Augen auf Kitana. "Wie bitte?", bringt Kitana empört vor Erstaunen heraus. Verunsichert schaut sie ihre Freunde an. "Habe ich etwas falsch gemacht", fragt sie sich und blickt Li verzweifelt an. "Unser Kodex verbietet die Anwesenheit von Frauen auf dem Kloster. Sie würden uns beim Beten ablenken.", erklärt der Mönch nach der Schweigeminute, die Kitana unendlich lange vorkam. "Tja, dann mußt du wohl hier warten", meint Li grinsend zu Kitana. Der Mönch öffnet das Tor einen Spalt, und Li und der Zauberer treten hindurch.
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